Geschichte der Hospizbewegung

Waldfriedhof als Ort der Erinnerung
Foto: Werner Menne

Das Wort Hospiz leitet sich vom lateinischen Wort „hospitium“ ab und bedeutet ursprünglich „Herberge“ oder „Gastfreundschaft“. Im Mittelalter wurden kirchliche Herbergen entlang der Pilgerwege als Hospize bezeichnet. Dort fanden Reisende, Arme, Kranke und Sterbende Schutz, Pflege und geistlichen Beistand. Aus diesen Einrichtungen entwickelte sich auch der Begriff „Hospital“.

Im Laufe der Jahrhunderte veränderte sich die medizinische Versorgung grundlegend. Mit dem Fortschritt der modernen Medizin im 19. und 20. Jahrhundert rückte zunehmend die Heilung in den Mittelpunkt. Der Prozess des Sterbens wurde jedoch immer stärker aus dem familiären Umfeld in Krankenhäuser verlagert. Die persönliche Begleitung, das Lindern von Leiden und die ganzheitliche Betreuung gerieten dabei häufig in den Hintergrund.

Einen Wendepunkt markierte die Arbeit der englischen Ärztin und Krankenschwester Cicely Saunders. Sie prägte den Begriff des „total pain“, der körperliche, seelische, soziale und spirituelle Aspekte des Leidens umfasst. Mit der Gründung des St. Christopher’s Hospice in London im Jahr 1967 legte sie den Grundstein für die moderne Hospizbewegung. Ihr Konzept stellte den Menschen mit seinen individuellen Bedürfnissen in den Mittelpunkt und setzte neue Maßstäbe in der Schmerztherapie und Sterbebegleitung.

Von Großbritannien aus verbreitete sich die Hospizidee weltweit. In Deutschland entstanden zunächst ambulante Initiativen, häufig getragen von engagierten Bürgerinnen und Bürgern, Kirchengemeinden und Pflegefachkräften. 1983 wurde in Köln die erste Palliativstation eröffnet, 1987 folgten in Aachen und Recklinghausen die ersten stationären Hospize.

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich ein flächendeckendes Netz unterschiedlicher Angebote. In Nordrhein-Westfalen wurden bereits 1992 die Ansprechstellen zur Palliativversorgung, Hospizarbeit und Angehörigenbegleitung gegründet. Mit Geschäftsstellen in Bonn (Rheinland) und Münster (Westfalen-Lippe) leistete ALPHA wichtige Grundlagen-, Beratungs- und Informationsarbeit.

Heute umfasst die Hospiz- und Palliativversorgung in Deutschland ambulante Hospizdienste, die schwerkranke und sterbende Menschen zuhause, in Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern begleiten, ebenso wie stationäre Hospize und Tageshospize, die eine geschützte Umgebung mit umfassender pflegerischer und psychosozialer Betreuung bieten. Ergänzend dazu entstand die spezialisierte Palliativmedizin, die auf eine bestmögliche Linderung belastender Symptome ausgerichtet ist.

Auch in Mülheim an der Ruhr fand die Hospizidee engagierte Unterstützerinnen und Unterstützer. Im Januar 1996 wurde ein Hospizverein gegründet, der sich im Mai 2008 in „Ambulantes Hospiz Mülheim an der Ruhr“ umbenannte. Seitdem begleiten qualifizierte ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schwerkranke und sterbende Menschen sowie deren Angehörige mit Zeit, Zuwendung und Respekt.

Damit steht die Arbeit vor Ort in einer langen Tradition der Gastfreundschaft und Menschlichkeit: dem Gedanken, dass jeder Mensch bis zuletzt würdevoll leben und begleitet sterben darf.