Ambulantes Hospiz Mülheim a. d. Ruhr e.V.

Leben in Würde bis zuletzt
Begleitung von Schwerstkranken, Sterbenden und Trauernden

Trauer ist Liebe

„Trauer ist Liebe“

Besuch des Bestattungshauses Pütz-Roth in Bergisch Gladbach

Pütz-roth-07

Am 3. Mai 2017 fuhr eine Gruppe von 19 Ehrenamtlichen in Begleitung von Professor König und seiner Frau sowie Frau Guntermann nach Bergisch Gladbach, um das Bestattungshaus Pütz-Roth kennenzulernen.

Schon die Lage des Unternehmens und die Gebäude waren ungewöhnlich und machten uns neugierig, mehr zu erfahren. Herr Gill, der Mitgeschäftsführer nahm sich die Zeit, uns die Historie und Philosophie des Unternehmens vorzustellen und bei einem Rundgang die besonderen Einrichtungen des Hauses und des Gartens zu erläutern.

Fritz Roth, der inzwischen verstorbene Firmengründer, begann seine Tätigkeit als Bestatter Anfang der achtziger Jahre. Er beobachtete bei den üblichen Dienstleistern in seiner Branche die Tendenz, den Hinterbliebenen einen Rundumservice anzubieten, der den Betroffenen alle Arbeit abnahm, ihnen aber auch den Verstorbenen „wegnahm“. Kaum war der Bestatter informiert, wurde der Leichnam abgeholt. Entweder sahen die Angehörigen ihn nicht wieder oder in der Leichenhalle eines Friedhofes im Rahmen enger Besuchszeiten. Das hatte zur Folge, dass die Hinterbliebenen, die sich ohnehin im Ausnahmezustand befanden, keine Gelegenheit hatten, sich in Ruhe von dem Toten zu verabschieden und sich darüber klar zu werden, wie, wo und wann die Beisetzung stattfinden soll. Zudem gab es oft engherzige gesetzliche Bestimmungen oder auch behördliche Vorgaben, die es den Angehörigen praktisch unmöglich machten, individuelle Vorstellungen und Wünsche durchzusetzen.

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Seniorenmesse am 23. April 2017

Seniorenmesse am 23. April 2017Seniorenmesse 2017 Forum

Sehr eindrucksvoll haben sich die 3 Organisationen, die für die Umsetzung der Hospiz- und Palliatividee in Mülheim bemüht sind, bei der Seniorenmesse in Mülheim dargestellt.

In einer Reihe waren das Ambulante Hospiz, der Palliativpflegedienst Pflege.Palliativ.Ruhr und das Stationäre Hospiz mit ihren Ehrenamtlichen und Mitarbeitern präsent, um den Besuchern der Seniorenmesse,  ihre Angebote vorzustellen.

Drei Organisationen, die sich vorbildlich ergänzen und sich gegenseitig unterstützen zum Wohle der Mülheimer Bürger.

Die Aufgabe der ehrenamtlichen BegleiterInnen des Ambulanten Hospizes besteht darin, in enger Verbindung mit den Angehörigen Schwerstkranke und Sterbende im psycho-sozialen Bereich zu begleiten, vorrangig zuhause, aber auch im Krankenhaus, Altenheim und den stationären Hospizen. D.h. wir gehen dahin, wo uns die Kranken und ihre Angehörigen brauchen.

Wir vom Ambulanten Hospiz freuen uns besonders, dass es uns, durch unsere finanzielle Unterstützung  gelungen ist, einen palliativen Pflegedienst in Mülheim mit zu etablieren, in dem wir die Ausbildungskosten für die besondere, palliative Pflege übernommen und auch weiterhin übernehmen werden. Dieser Dienst war in Mülheim für die Versorgung der Schwerstkranken und Sterbenden sehr notwendig, damit diese, dank der palliativen Pflege, nun auch zuhause ihre letzte Lebensphase verbringen können. Für die ehrenamtlichen BegleiterInnen des Ambulanten Hospizes ist das immer ein großes Anliegen gewesen, da wir selbst keinerlei pflegerische Aufgaben übernehmen.

Das Stationäre Hospiz, das 2012 eröffnet wurde, besitzt ein Haus in der Friedrichstraße, in dem Schwerstkranke  in ihrer letzten Lebensphase stationär aufgenommen und dort in angenehmer Atmosphäre palliativ gepflegt und versorgt werden. Wir haben mit dem Stationären Hospiz einen Kooperationsvertrag und unterstützen diese Einrichtung auch finanziell.

Die Verantwortlichen des Ambulanten Hospizes, das nun seit 20 Jahren in Mülheim besteht,  haben sich stets darum bemüht die Hospiz- und Palliativ-Versorgung der Mülheimer Bürger zu unterstützen und wir sind sehr froh darüber, dass dies mit der Unterstützung der Pflege.Palliativ.Ruhr und dem Stationären Hospizes gelungen ist.

Ursula König

Eine Seebestattung

See-Schiff 

Im August 2016 verstarb nach einer längeren, schweren Erkrankung die Schwester meiner Freundin aus Köln im Alter von 84 Jahren.

Sie hatte mehrere Wochen im Krankenhaus gelegen und kam von dort aus mit ihrem Einverständnis direkt in ein Kölner Hospiz, ohne nochmal in ihrer Wohnung gewesen zu sein. Sie fühlte sich im Hospiz sehr wohl und sagte allen Mitarbeitern und Besuchern, sie habe ein wunderbares neues Zuhause gefunden. Im Hinblick auf ihren nahenden Tod hatte sie den Wunsch geäußert und auch schriftlich festgelegt, dass sie auf See bestattet werden wollte.

Um diesem Wunsch zu entsprechen schloss meine Freundin bei einem Bestatter einen Vorsorgevertrag für eine Seebestattung ab.  

Danach wollten wir ihre Schwester im Hospiz besuchen. Als wir gegen Mittag dort ankamen, teilte man uns mit, dass die Schwester vor einer halben Stunde verstorben war. Sie war ruhig und friedlich in ihrem Bett eingeschlafen. Meine Freundin nahm die Nachricht vom Tode ihrer Schwester gefasst auf. Ich war sehr froh und dankbar, dass ich meiner Freundin in dieser Stunde zur Seite stehen konnte. Wir gingen in das Zimmer der Verstorbenen, die friedlich und zufrieden lächelnd in ihrem Bett lag. Ihr Zimmer war mit Blumen und Kerzen liebevoll hergerichtet. Wir setzen uns zu ihr und konnten in Ruhe Abschied nehmen. Anschließend setzten wir uns noch mit den Mitarbeitern des Hospizes zusammen.

Schließlich verabschiedeten wir uns von den Mitarbeitern und ich fuhr erleichtert und dankbar, dass ich zufällig am Todestag der Schwester meiner Freundin in Köln war, nach Hause.

Nun standen wir noch vor der Aufgabe, den letzten Wunsch der Verstorbenen zu erfüllen und eine Seebestattung zu organisieren.

Mein Mann und ich hatten vor einiger Zeit unseren Urlaub auf der Insel Baltrum verbracht, und dort zufällig vom Strand aus in weiter Ferne eine Seebestattung beobachtet. Wir sahen später im Baltrumer Hafen das Schiff vor Anker liegen und erfuhren, dass sich die Reederei auf Seebestattungen spezialisiert hatte. Nach dem Tod der Schwester erinnerten wir uns an diese Reederei und beschlossen, wenn möglich die Seebestattung dort durchführen zulassen.

Der Kölner Bestatter nahm auf unseren Wunsch hin Kontakt zu der Reederei in Norddeich auf, organisierte die Einäscherung und die Überführung der Urne zur Reederei. Dort wurden wir nach unseren Wünschen bezüglich der Trauerzeremonie gefragt, konnten den Blumenschmuck bestimmen und eine Tee- oder Kaffeetafel an Bord bestellen. Dann wurde noch der Termin für die Seebestattung vereinbart.

An einem Freitag im August fuhren wir mit unserer Freundin morgens nach Norddeich. Dort angekommen lag das Schiff bei strahlenden Sonnenschein schon im Hafen. Der Kapitän empfing uns an Bord. Auf einem Tisch im Salon des Schiffes stand die Urne, mit einem schönen, bunten Blumenkranz geschmückt. Vor der Abfahrt erklärte uns der Kapitän den Ablauf der Zeremonie.

Die Schiffsflagge wurde auf Halbmast gesetzt, dann fuhr das Schiff  auf die Nordsee hinaus in das für Seebestattungen vorgesehene Gebiet. Der Kapitän platzierte die Urne mit dem Blumenkranz in das Heck des Schiffes. Meine Freundin und ich trugen zum Abschied jeder ein Gedicht vor. Meine Freundin wählte das Gedicht „Es war als hätte der Himmel die Erde still geküsst“.

Dann sprach der Kapitän ein paar liebe und tröstende Worte zu uns und verlas ein Gedicht von Theodor Storm:

 Urne-See

Ewiger Wellengang flüchtiger Zeit:

Aufstieg und Niedergang,

Freude und Leid

Lacht dir der Sonne Licht

Heut gar hell,

weißt du es am Morgen nicht –

Leid schreitet schnell.

Ewiger Wellengang rausche dahin,

Aufstieg und Niedergang,

alles hat Sinn.

  

Nun kam der Moment in dem die Urne  auf der Steuerbordseite an einem Seil ins Wasser gelassen wurde. Anschließend übergab der Kapitän den Blumenkranz dem Meer. Als letzten Gruß warf jeder von uns eine gelbe Rose hinterher. Die Urne schwamm noch eine Weile auf der Oberfläche  und versank dann allmählich im Meer. Sie wird bis auf den Meeresboden sinken und sich dort nach ca. fünf Stunden auflösen. Die Asche wird sich dann mit den Wellen verteilen.

Die Schiffsglocke läutete vier Doppelschläge zur Wachablösung, das bedeutet, ein Mensch verlässt das Schiff des Lebens und übergibt der Nachwelt die Wache. Danach ertönte dreimal das Schiffshorn, das ist das Signal für „Gute Reise„. Als letzte Ehrerweisung umrundete das Schiff  noch einmal die Bestattungsstelle. Dann wurde die Flagge wieder gehisst und das Schiff machte sich mit langsamer Fahrt auf den Rückweg nach Norddeich.

Die genauen Koordinaten der Bestattungsstelle wurden vom Kapitän ins Logbuch eingetragen. Ein paar Tage später erhielt meine Freundin eine Seekarte mit der Position der Beisetzung.

Wir ließen den Tag in einem Hotel am Meer ausklingen und fuhren am anderen Morgen nach Hause zurück. Diese würdevolle und sehr persönliche Bestattung hat uns tief berührt und wird in unserem Gedächtnis bleiben.

 

Leserbrief Reinhard Sprafke

Liebe MitarbeiterInnen des Ambulanten Hospiz MH,

es ist mr ein Bedürfnis, ein kleines Feedback zu dem Thema "Späte
Versöhnung" zu geben.
Bei Ihrem Wochenendseminar in Ehreshoven, las ich im "Hospizfenster",
beschäftigten Sie sich
unter Leitung der Referentin Dorothee Döring mit einem schweren, aber
überaus wichtigen Thema
der Reihe Konfliktberatung "Späte Versöhnung". Dieser Vortrag mit
anschließendem Gespräch muß
wohl besonders gut gelungen sein, da es doch tatsächlich garnicht so
einfach ist, gute Gespräche,
event. gar Hilfe anzubieten, wenn Familienkonflikte bis in die
vergangene Kindheit hineinreichen,
zumal es in der Geschichte der Referentin um Friedensfindung sterbender
Eltern ging.
Herzliche Gratulation!

Ihre Lebhaftigkeit in der Gruppe, wie ich in Ihrem Bericht gelesen habe,
hat mich fasziniert und erfreut,
da es ja Offenheit, Mut und Ehrlichkeit badarf, über so ein Thema
glaubwürdig ins Gespräch zu kommen.
Ich wünsche Ihnen bei Ihren ehrenamtlichen Diensten am Krankenbett
denselben Mut wie in Ihren Gesprächen,
aber ebenso Kraft und Gottes Segen.

Reinhard Sprafke, Diakon

Der Wünschewagen

Letzte Wünsche wagen

Ein Besuch beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in Essen.

Wünschewagen1

Am 30.09.2015 machten wir uns gespannt auf den Weg nach Essen, um Näheres über den „Wünschewagen“ des ASB (Regionalverband Ruhr)  zu erfahren.

Frau Nazan Aynur, Projektleiterin, und Frau Ines Jungmann, Wunsch-koordinatorin, beide im Einsatz rund um den Wünschewagen, begrüßten und empfingen uns herzlich.

Seit September 2014 ist der Wünschewagen des ASB nach niederländischem Vorbild als z.Zt. einziger in NRW im Einsatz.

Ralph Steiner (Vorstandsmitglied des ASB) initiierte nach einem Tel Aviv Besuch, wo er die dortige „Wish Ambulance“ kennenlernte, und weiteren Erfahrungshilfen aus Rotterdam (Stichting Ambulance Wens), den Essener Wünschewagen.

„Mit dem Wünschewagen letzte Wünsche wagen“ lautet das Motto des Essener ASB. Dahinter steht die Idee, Menschen in der letzten Lebensphase einen sehnlichen Wunsch zu erfüllen, der sonst aufgrund fehlender Mobilität oder Transportunfähigkeit nicht realisierbar wäre.

 

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